Verein Hinterthurgauer Bienenfreunde

 
 

 

Schmuggel aufgeflogen!

Zöllner entdecken 80 Bienenvölker

Dubiose Geschäftsleute verkaufen Schweizer Imkern Bienenschwärme aus dem Ausland. Diese könnten verseucht sein.
IDA SANDL

SCHAFFHAUSEN. Da waren zwei Grenzwächter sehr aufmerksam: Sie hielten einen Schweizer an, der im Raum Rafz über einen nicht besetzten Grenzübergang wollte. Der Mann kam aus Deutschland und hatte ungewöhnliche Fracht geladen - einen Bienenschwarm.

Was er nicht dabei hatte, waren Dokumente, die belegen, dass der Schwarm gesund ist. Es ist verboten, Bienen ohne Herkunfts- und Gesundheitszeugnis in die Schweiz einzuführen. Der Mann gab an, er habe die Bienen gerade bei einem Händler auf der deutschen Seite gekauft.


Per SMS zum Wagen gelockt

Die Zollbeamten wurden hellhörig. Sie kontrollierten weiter und landeten einen Treffer nach dem anderen. Alles in allem entdeckten sie rund 80 Bienenvölker, die von einem halben Dutzend Imkern ins Land geschmuggelt worden waren.

Die konzertierte Aktion fand am 1. Mai statt, und die Imker hatten sich alle beim gleichen Händler eingedeckt. Der hatte die Bienen im Lastwagen in die Nähe der Grenze gekarrt. Per SMS lotste er die Käufer zu seinem Standort.

Wie NZZ online schreibt, soll es sich bei dem Händler um einen knapp 30jährigen Deutschen handeln, der im Zürcher Unterland wohnt. Er betreibe einen aggressiven Mailversand. Auf seiner Homepage sei als Geschäftsadresse Zug aufgeführt.
Die Bienen sollen aus Sizilien stammen. Die Imker hatten nicht lang Freude an ihrem Einkauf. «Alle 80 Völker mussten vernichtet werden», sagt der Kommandant der Grenzwachtregion II, zu der Zürich, Schaffhausen und der Thurgau gehören.

Die Gefahr, dass die Bienen Krankheitskeime oder Parasiten einschleppen, sei zu gross, schreibt das Bundesamt für Veterinärwesen. Wie gefährlich das sein kann, zeigt das Beispiel der Varroa-Milbe. Diese sei vor 25 Jahren aus Asien durch Import von Bienen in die Schweiz gekommen und lehrt seither die hiesigen Imker das Fürchten.

Die Käufer behaupten, der Händler habe ihnen hoch und heilig versichert, die Schwärme würden aus dem Tessin stammen. Doch das schützt sie vor der Busse nicht.

Diese werde unterschiedlich hoch ausfallen, je nachdem, ob die Käufer Schwärme zum Wiederverkauf oder nur für sich erstanden hätten, sagt der Kommandant. Die Beträge würden noch abgeklärt. Ob unter den Käufern auch Thurgauer Imker sind, kann er noch nicht sagen, die Ermittlungen liefen noch.


Unterschiedlich hohe Bussen

Der Kommandant kann sich nicht erinnern, dass es einen so grossen Fall von Bienen-Schmuggel schon gegeben habe. Wobei es sehr schwierig sei, derartige Schmuggel nachzuweisen. Die Schwärme würden in Holz- oder Plastikkästen transportiert. «Oft ist es Zufall, wenn man als Grenzwächter darauf stösst.» Deshalb macht es den Kommandanten besonders stolz, dass seine Männer nicht nur den richtigen Riecher hatten, sondern auch noch perfekt reagiert hätten.

Beim Bienen-Schmuggel spielen wohl finanzielle Gründe eine Rolle: Für 135 Franken soll der Händler gemäss Bundesveterinäramt einen Schwarm angeboten haben.
Ein Schweizer Schwarm koste zwischen 160 und 180 Franken. Für die Käufer wird es jetzt aber noch teurer. Üblich sei für Schmuggel dieser Art eine Busse, die das Fünffache der Mehrwertsteuer beträgt.

Wer verseuchte Völker importiert, schadet auch den gewissenhaften Imkern. Trotzdem passiert es.
Hans Frei aus Müllheim ist Bieneninspektor in der Region Frauenfeld. Er hat vom Bienen-Schmuggel gehört und auch davon, dass ein Thurgauer betroffen sei. Frei zuckt mit den Schultern. Wenn ein Imker im Frühling merkt, dass mehr als die Hälfte seiner Völker tot ist, dann ist das ein Schock. Manche wollten die Lücke dann so schnell wie möglich schliessen. «Niemand gibt sich gern eine Blösse», sagt Frei.

Denn, wenn Bienen im grossen Stil sterben, liege dies häufig an der Pflege. Vor allem die Varroa-Milbe müsse sehr konsequent bekämpft werden.

Im April gebe es noch keine einheimischen Schwärme, um die Verluste wettzumachen. In solchen Situationen würden Imker auf ausländische Anbieter ausweichen. Dabei müssten sie sich nur etwas gedulden. Denn: «Jetzt gibt es genug Bienenschwärme aus der Schweiz zu kaufen.»

In solchen Kisten werden die Bienenschwärme transportiert.

Zum Vergrössern bitte anklicken! (Bild: pd)

 

 

 

 

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