Verein Hinterthurgauer Bienenfreunde

 
 

 

Juni

 

Eine spärliche erste Honigernte

Zum Vergrössern bitte anklicken! (Bild: Mario Testa)

Mit Heissluftfön und Kamm entfernt Guido Schöb die Wachsdeckel von den Honigwaben.


Im Frühsommer schleudert Guido Schöb den Honig aus seinen Bienenwaben. Trotz vieler gesunder und starker Völker fällt die Honigernte für den Imker heuer mager aus. Die Arbeit geht ihm dank seinem System aber leicht von der Hand.

MARIO TESTA

GUNTERSHAUSEN. Wenn Guido Schöb im Juni die Honigwaben aus seinen Bienenstöcken holt, erkennt man auf den ersten Blick noch nicht, welch süsses Geheimnis die schweren Waben in sich tragen. Hellgelbe dünne Deckel versperren die Sicht in die Waben. «Sobald die Bienen Honig in die Waben einlagern, verdeckeln sie diese», erklärt der Imker. «Honig entsteht aus Nektar, den die Bienen mit Körpersäften anreichern und in ihrem Körper wandeln. Diesen Saft pressen sie in die Waben und verschliessen diese mit Wachs. In den Waben reift der Saft dann zu Honig heran.»
Damit Schöb den Bienenstöcken die Waben mit Honig entnehmen kann, muss er zuerst die Bienen aus diesem Bereich der Stöcke entfernen. Schöb favorisiert Kästen vom Typ «Magazin».


Eine Schleuse für die Bienen

Magazine sind Kisten mit hängenden Waben, die aufeinander- gestapelt werden können, je nach Grösse des Volkes und Zweck der Räume. Unten befinden sich die Bruträume mit den Arbeiterinnen und der Königin sowie der Zugang zum Flugloch. In der oberen Kiste sind die Waben, in denen die Bienen den Honig einlagern.
«Ein, zwei Tage bevor ich die Honigwaben hole, lege ich eine Schleuse zwischen Honig- und Brutraum», so Schöb. «Die Bienen können durch die kleinen Löcher in der Schleuse nur in eine Richtung krabbeln. Das heisst, sie können den Raum mit den Honigwaben verlassen, aber nicht zurück.»

Magazin-Honigräume bieten acht bis zwölf Waben Platz


Ein Volk - fünf Kilogramm Honig

Und tatsächlich, als Schöb einen Honigraum mit acht Waben darin öffnet, sind keine Bienen mehr zu sehen. «Das ist ideal. Diese Waben kann ich jetzt zum Schleudern mitnehmen, ohne die Bienen zu stören.» Schöb hebt den Kasten ab, nimmt die Schleuse darunter weg, deckt den Brutkasten wieder gut zu und verlässt das Bienenhaus. «Dieser Kasten ist ganz schön schwer, das werden wohl gut und gerne fünf Kilogramm Honig sein.»
Mit mehreren Kästen im Kofferraum fährt Schöb zu sich nach Hause. Dabei macht er sich seine Gedanken zur Honigernte: «In guten Jahren habe ich schon bis zu einer Tonne Honig geerntet. Heuer wird es nicht einmal die Hälfte sein, weil die Bienen im nasskalten April kaum Nektar einholen konnten und sich in dieser Zeit auch vom bereits angelegten Honigvorrat ernährt haben.»


Schleuder Marke Eigenbau

Guido Schöb hat bei sich in Guntershausen einen Raum extra für die Honigernte eingerichtet. Die Wände und der Boden sind gefliest, mehrere Stahlwannen und Kessel stehen herum, und in einer Ecke thront die Schleuder. «Die Schleuder habe ich gekauft, aber das System darin habe ich selbst entwickelt», sagt Schöb stolz. «Ich lege die Waben flach auf Lochbleche über mehreren Etagen und schleudere sie so. Das hat sich sehr bewährt.»
Zuallererst muss Schöb jedoch die Wachsdeckel von den Waben entfernen. Eine nach der andern legt er vor sich hin, bläst mit dem Heissluftföhn darauf und schabt gleichzeitig die Wachsdeckel weg. Darunter kommt der glänzende Honig zum Vorschein. 15 abgedeckelten Waben legt Schöb in die Schleuder, schliesst den Deckel und startet den Motor.

Die Waben legt Guido Schöb flach in die Schleuder


Filtern und abfüllen

Drei bis sechs Minuten später sind die Waben wieder leer, und der zähflüssige Blütenhonig fliesst unten aus der Schleuder in einen Kessel. Den Honig presst Schöb zuerst durch ein grobmaschiges Tuch, dann durch ein feinmaschiges. «So werden die letzten Verunreinigungen herausgefiltert. Das Lebensmittelgesetz verlangt diese Filtrierung», so Schöb. Den klaren, dickflüssigen Honig füllt Schöb zum Schluss in Gläser ab.

 

Serie «Der Bienenmann»

Unsere Zeitung begleitet Imker Guido Schöb eine ganze Saison lang bei seiner Arbeit mit den Bienen. Von der Präparation der Waben bis zur Honigernte im Sommer. Jeden Monat erscheint ein Artikel über die aktuellen Arbeiten und die Situation der Bienen.
Bereits erschienen sind Artikel am:

- 17. Januar
- 21. Februar
- 15. März.
- 20. April
- 23. Juni - (mte)

 

 

 

 

 

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