Verein Hinterthurgauer Bienenfreunde

 
 

 

Mai

Eine junge Königin markiert mit einem gelben Punkt. Sie hat ein längeres Hinterteil als die Arbeiterinnen, jedoch keine gelben Ringe.

Zum Vergrössern bitte anklicken! (Bild: Reto Martin)

 

Neue Völker mit jungen Königinnen

Junge Bienenköniginnen von Imker Guido Schöb sind in den letzten Tagen geschlüpft und haben ihren Hochzeitsflug gemacht. Der Imker setzt sie nun ein, um neue Völker heranzuziehen. Die aufwendige Prozedur gefällt den Bienen gar nicht, und das bekommt Schöb zu spüren.


MARIO TESTA

AU. Am Ende seiner Arbeit im Bienenhaus überziehen Dutzende Bienenstiche Guido Schöbs Arme und Hände. «Die machen mir aber gar nichts», sagt er gelassen und schmiert seinen verstochenen Arm mit einem fetten Aloeblatt ein, das er in weiser Voraussicht zu Hause im Garten abgeschnitten und mitgenommen hat. «Aloe ist super, da spürt man die Stiche gar nicht mehr, und sie heilen sofort.»

Die Bienenstiche abbekommen hat der Imker beim Aufteilen einiger seiner Bienenvölker. «Ich will dieses Jahr wegen der grossen Nachfrage über 100 Prozent Völker nachziehen. Das heisst aus meinen 50 mache ich über 100.» Ein Volk zu teilen dauert bei Schöb ungefähr eine halbe Stunde.
Totalumbau der Bienenkästen

«Die Arbeit fängt damit an, dass man genügend leere Kästen bereit hält. Das ist für mich kein Problem, früher hatte ich jeweils über 100 Völker, jetzt noch 50, also sind viele meiner Kästen leer.» In seinem Bienenhaus in der Au bei Fischingen sind zwei Reihen von sogenannten Schweizerkästen übereinander angereiht. In den oberen leben Bienen, die unteren sind leer. Schöb öffnet zwei übereinanderliegende Kästen.

Aus eins mach zwei: Guido Schöb setzt einen Teil der Wabenplatten aus dem oberen Schweizerkasten in den noch leeren unteren ein.

Zum Vergrössern bitte anklicken! (Bild: Mario Testa)

Wabe für Wabe entnimmt der Imker dem oberen Kasten. Zuerst die obenauf liegenden Honigwaben, noch haben die Bienen nicht viel Honig eingelagert. Dann nimmt Schöb einen grossen weissen Kübel und setzt darauf einen Trichter. Natürlich darf auch hier sein «Zaubermittel» Mikroorganismen aus dem Zerstäuber nicht fehlen. Er besprüht den Kübel und den Trichter mit der Flüssigkeit und betrachtet sein Werk. «So jetzt bin ich parat. Zum Schutz vor den Bienenstichen besprühe auch ich mich selbst noch mit etwas Mikroorganismen.»
Zwei Kilo Bienen im Kübel

Guido Schöb macht sich jetzt an den Waben mit Brut und vielen Bienen darauf zu schaffen. Den kleineren Waben versetzt Schöb ein zwei kräftige Hiebe und die Bienen plumpsen durch den Trichter in den Kübel. Von den grösseren Brutwaben wischt er die vielen Bienen mit einem Besen in den Kübel. Zum Schluss der Prozedur krabbeln im Kübel rund 20 000 Bienen - umgerechnet zwei Kilogramm. Das Brummen aus dem Kübel und von den vielen herumfliegenden Bienen wird lauter und lauter, die Tiere immer nervöser und aggressiver.

Die von den Bienen befreiten Brutwaben setzt der Imker der Reihe nach in den unteren, leeren Kasten ein, auch ein paar der Honigwaben als Futter für die Bienen. «Bei den Bienen sollte man so schnell arbeiten, dass wenn die Bienen es bemerken, man schon fertig ist. Das klappt natürlich nicht immer», sagt Guido Schöb mit einem Lachen.
Kleines Volk im unteren Kasten

Einige tausend Bienen sind mit den Waben in die untere Kiste mitgewandert. «So, dieser Kasten ist jetzt fertig», sagt Schöb und sprüht noch etwas Milchsäure und Mikroorganismen in den Stock. Dann packt er zwei dicke Kissen auf die Waben und schliesst den Kasten wieder. «Die Bienen brauchen viel Wärme für die Aufzucht des neuen Volkes.»

Nun macht sich Schöb wieder am oberen, mittlerweile leeren Kasten zu schaffen. «Nun sieht man, ob ein Volk ein guten Reinigungstrieb hat. Dieses Volk ist sehr reinlich, der Kastenboden ist absolut sauber.» Nach einigen Spritzern Mikroorganismen und Milchsäure setzt Schöb wieder Wabenrahmen ein. Zuvorderst eine volle Honigwabe und dahinter acht leere Wabenplatten, die er im Winter vorbereitet hatte. Davor plaziert er eine Art Trichter.
Mehrere Stiche an den Armen

«Jetzt werden die Bienen langsam <uhliidig>, die werden natürlich nicht gerne aus ihrem Nest gerissen», stellt Schöb fest, als ihn mehrere Bienen am Kopf, an Armen und Händen stechen. Schnell greift er zum Kübel und öffnet den Deckel. Dann duscht er die 20 000 Bienen, darunter auch die Königin, mit Milchsäure. «Jetzt dürfen Sie nicht erschrecken, im Fall der Fälle vielleicht rausgehen», sagt er, packt den Kübel und schüttet die zwei Kilogramm Bienen in den Trichter vor den Waben im oberen Kasten.

Das Brummen schwillt zu einem ohrenbetäubenden Lärm an und Schöb verlässt das Bienenhaus. «Jetzt geht das Volk selbständig auf die neuen Waben. Das geht etwa eine halbe Stunde, und dann machen sie sich sofort ans Ausbauen der Wabenplatten.»

Dem kleinen Volk im unteren Kasten wird der Imker in etwa zwei Wochen eine der jungen Königinnen beigeben, die er in den vielen kleinen Kästen vor dem Bienenhaus herangezogen hat. So macht er aus einem zwei Völker.
Milchsäure gegen die Milben

Im Kampf gegen die Varroamilbe setzt Guido Schöb auf 15-prozentige Milchsäure. Mehrmals sprüht er alle seine Völker im Sommer damit ein. «Die Milben ertragen die Säure nicht, die Bienen schon. So sterben viele tausend Milben über den Sommer ab und meine Völker gehen gestärkt in den Winter», so Schöb. Die Varroamilbe ist der schlimmste Schädling für die Imker. Sie nistet sich in den Brutwaben ein. Wenn die Bienen diese dann mit einem Deckel abschliessen, kann sich die Milbe ungestört an den Bienenlarven festsaugen, ähnlich wie eine Zecke bei den Menschen. Die jungen Bienen schlüpfen geschwächt und sterben schnell. (mte)

 

Serie «Der Bienenmann»

Unsere Zeitung begleitet Imker Guido Schöb eine ganze Saison lang bei seiner Arbeit mit den Bienen. Von der Präparation der Waben bis zur Honigernte im Sommer. Jeden Monat erscheint ein Artikel über die aktuellen Arbeiten und die Situation der Bienen.
Bereits erschienen sind Artikel am:

- 17. Januar
- 21. Februar
- 15. März.
- 20. April - (mte)

 

 

 

 

 

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