Verein Hinterthurgauer Bienenfreunde

 
 

 

April

Geburt einer Königin: In der hellen, senkrecht nach unten geneigten Wabe wächst sie in zwei Wochen heran. In dieser Zeit wird sie von Arbeiterinnen mit Gelée Royale gefüttert

Zum Vergrössern bitte anklicken! (Bild Mario Testa)

 

Seine Bienenvölker sind begehrt

Guido Schöb hat grossen Erfolg mit der Zucht seiner Bienen. Imker aus der ganzen Schweiz haben bei ihm 50 neue Völker bestellt. Aktuell zieht er darum neue Königinnen für diese zusätzlichen Völker auf.

MARIO TESTA

GUNTERSHAUSEN. Jedes Bienenvolk hat eine Königin. Sie ist das einzige geschlechtsreife Tier im Volk. Im Frühling ist ihre Legetätigkeit am höchsten, bis zu 2000 Eier presst sie täglich aus ihrem Hinterleib in die Waben - mehr als ihr eigenes Körpergewicht, und das über mehrere Monate.

Am Anfang einer Brutsaison startet die Königin zum Hochzeitsflug. «Sie paart sich dann mit mehreren Drohnen, also männlichen Bienen, von verschiedenen Völkern», erklärt Guido Schöb. «Danach ist sie bereit, befruchtete Eier in die Waben zu legen. Aus diesen Eiern entstehen Arbeiterinnen, aus unbefruchteten Eiern entstehen Drohnen.»

 

Duftstoffe regeln die Nachzucht


Die Königin sondert im Stock Pheromone ab. Damit zeigt sie einerseits ihre Präsenz an und anderseits hemmen diese Stoffe die Geschlechtsentwicklung der Arbeiterinnen. Wenn eine Königin stirbt oder mit einem Teil des Volkes in ein neues Nest ausfliegt, merken das die verbliebenen Bienen, weil sie keine Pheromone mehr «riechen». In diesem Moment beginnt das Volk, mit der Nachzucht einer neue Königin. Imker können diese Nachzucht auch künstlich steuern.

«50 Völker habe ich und diese Zahl werde ich dieses Jahr verdoppeln. Anfragen von Imkern aus der ganzen Schweiz erreichen mich, sie hätten alle gerne Völker von mir», sagt Guido Schöb strahlend, während er im Bienenhaus einen Kasten mit einem sehr starken Volk öffnet. Mit geübten Griffen nimmt er eine der Dutzend Wabenplatten aus dem Kasten. «Jetzt habe ich aber Glück, ich habe gerade die Platte mit der Königin darauf erwischt», sagt er.

Ohne Zögern greift er mit seinen Fingern in das schwarz-gelbe Gewusel auf der Wabe - und schon hat er die grösste aller Bienen, die Königin, in der Hand. «Diese kommt jetzt zurück zu ihrem Volk», sagt er und legt die Königin zurück in den Kasten auf eine der dort verbliebenen Waben. In die entstandene Lücke steckt er eine noch leere Wabenplatte (siehe Foto unten) und schliesst den Kasten wieder - die ganze Zeit in seiner Hand die Platte mit Honigwaben, Brutwaben und Hunderten Arbeiterinnen drauf. Diese lassen das Prozedere ruhig geschehen


Kein Volk ohne Königin

Mit der Platte in der Hand verlässt Guido Schöb das Bienenhaus. Neben dem Eingang hat er einen ganz kleinen Wabenkasten. «Hier hat es nur Platz für zwei getrennte Wabenplatten und etwas Zucker als Futter obendrauf.» Eine der beiden Seiten ist noch frei, Schöb nimmt die Platte und steckt sie in den Kasten. «Nun sind diese Bienen ohne Königin, das werden sie wegen der fehlenden Pheromone bald merken. Und dann ziehen Sie eine neue Königin nach, so mache ich aus einem Volk innert weniger Wochen zwei.»

Wie es aussieht, wenn eine Königin heranwächst, verrät der Blick in die andere Seite des Zuchtkastens. Dort hat Guido Schöb bereits vor Wochen eine Platte installiert. Auf dieser Wabenplatte ist eine ganz spezielle Wabe zu sehen. Sie ist hell, viel grösser als alle anderen und steht senkrecht zur Platte - wie ein kleiner Finger oder Schlauch, der durch die Waben drückt, sieht es aus (siehe Bild oben).

Wenn man durch die Öffnung unten in diesen Schlauch guckt, sieht man eine Larve. «Das wird die neue Königin. Bald schon werden die Arbeiterinnen diese Wabe verkapseln und dann dauert es acht Tage, bis die Königin schlüpft», erklärt Guido Schöb. «Zwei Wochen später geht die Königin auch schon auf Hochzeitsflug und dann beginnt sie mit dem Aufbau ihres Volkes.»

Appell an die Bauern

Wenn Bauern Futterwiesen, die in voller Blüte stehen, bei Tag abmähen, sterben Zigtausende von Insekten. Guido Schöb bezeichnet es als das «grösste Schlachtfeld der Welt». Besonders schlimm sei, wenn hinter dem Kreiselmäher das geschnittene Gras gleich in Siloballen gepresst wird. «Bienen, die das Mähen überleben, werden eingesperrt und krepieren», so Schöb. Er bittet die Bauern darum, abends oder am frühen Morgen zu mähen, wenn Bienen und andere Insekten noch nicht auf Futtersuche sind. Ein grosses Problem sind auch Pestizide, wie Schöb an einem Beispiel erklärt. «Der 10. April war ein schöner Tag, und ich sah mehrere Bauern, wie sie tagsüber ihre Felder spritzten. Am nächsten Morgen lagen vor den Flugbrettern lauter tote Bienen.» Er appelliert an die Bauern, weniger Pestizide einzusetzen und schon gar nicht tagsüber. «Bienen zeigen den Imkern sofort, wenn irgendwo Gift im Spiel ist.» (mte.)

Serie «Der Bienenmann»

Unsere Zeitung begleitet Imker Guido Schöb eine ganze Saison lang bei seiner Arbeit mit den Bienen. Von der Präparation der Waben bis zur Honigernte im Sommer. Jeden Monat erscheint ein Artikel über die aktuellen Arbeiten und die Situation der Bienen. Bereits erschienen sind Artikel am 17. Januar, 21. Februar und 15.März. (mte)

 

 

 

 

 

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