Verein Hinterthurgauer Bienenfreunde

 
 

Februar

 

Kleine Waben für kleine Bienen

Die Winterzeit nutzt Guido Schöb für die Vorbereitungen auf die neue Imkersaison. Am meisten Zeit investiert er in die Herstellung der frischen Wabenträger für seine 50 Bienenvölker mit einer halben Million Tiere.

MARIO TESTA

GUNTERSHAUSEN. Im Gartenhäuschen von Guido Schöb riecht es gut - ein Duftgemisch von feuchter Erde, Holzfeuer und Bienenwachs steigt einem beim Betreten des kleinen Holzhauses in die Nase. Auf engem Raum hat der bald 80-Jährige hier seine Werkstatt eingerichtet.
Eine Scheibe trennt die Werkbank von Kakteen, Agaven und Mandarinenbäumchen, die im angebauten Treibhaus gedeihen.
«Hier bin ich im Winter häufig anzutreffen. Es gibt viel zu tun, damit ich dann parat bin, wenn meine Bienen wieder ausfliegen», sagt Schöb und hebt den Holzdeckel von einem grossen Metallkessel.

Goldbraunes, flüssiges Bienenwachs kommt zum Vorschein. «Das sind rund 20 Kilo Wachs, das auf 60 Litern Wasser schwimmt», erklärt Schöb.
Vier Stunden lang hat er mit einem Gaskocher das Wasser erhitzt, welches wiederum das Wachs zum Schmelzen gebracht hat. «Wachs ist leichter als Wasser und schwimmt daher obenauf.

Mit dieser Methode verhindere ich, dass das Wachs anbrennt.» Das Wachs stammt alles von seinen Bienen. «Wenn man sauber arbeitet, braucht man nie achs zu kaufen, man hat aber auch nie zu viel.»

Tüfteln führt zum Erfolg

Schöb bereitet mit dem Wachs die neuen Zwischenwände für die Bienenstöcke vor. Er nimmt dafür eine grosse Keramikplatte, in die er durch zwei Löcher einen Draht als Griff gezogen hat.
Die Platte taucht er zuerst in einen Bottich mit kaltem Wasser und dann dreimal in das flüssige Wachs. «Das mit der Keramikplatte habe ich selber herausgefunden», sagt er stolz. «Man muss immer etwas improvisieren. Bis vor sechs Jahren hatte ich noch ein amerikanisches System mit Holzplatten, aber das hat nicht funktioniert.»

 

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Wie beim Kerzenziehen taucht Schöb die Keramikplatte zum Schluss wieder ins kalte Wasser, und schon kann er zwei dünne, gelbe Wachsplatten von ihr ablösen.
«Diese Platten kommen jetzt zwischen die Walzen mit dem Wabenmuster.» 4,9 Millimeter Durchmesser haben die Sechsecke auf beiden Seiten der Wachsplatte, nachdem Schöb sie durch die Walzen gepresst hat.

Das Muster dient den Bienen später als Vorgabe für den Aufbau ihrer Wabenzellen. «Es gibt auch Waben mit 5,6 Millimeter Druchmesser.
Das war vor über hundert Jahren die Idee eines Amerikaners und eines Dänen. Die haben sich erhofft, dass so grössere Bienen entstehen, die leistungsfähiger sind», erzählt Schöb.
«Die Bienen werden auch grösser, aber leistungsfähiger oder robuster sind sie nicht.» Schöb selbst nutzt die kleineren Waben, weil die Bienen so weniger anfällig für Milbenbefall seien und zudem 9400 Tierchen und nicht nur 7600 auf einer Platte Platz finden.

 

Heftige Debatte unter Imkern

«Unter den Imkern herrscht ein richtiger Glaubenskrieg. Die einen schwören auf die grossen, die anderen auf die kleinen Waben. In freier Wildbahn machen unsere Bienen auf alle Fälle nur 4,9 Millimeter grosse Waben, so viel steht fest», sagt Schöb.

Auf die fertigen Wabenplatten legt er eine Schablone und schneidet sie mit einem Messer in die richtige Grösse für seine Bienenkästen.
Für jedes seiner Völker richtet Schöb im Winter zehn solcher Wachsplatten - nochmals fast so viele dann später im Sommer.
In jedem seiner 50 Bienenkästen hat es Platz für 16 Wabenplatten. Sie alle wechselt Schöb im Verlaufe eines Jahres aus.
«Viele sagen, ich spinne, das sei ein riesiger Aufwand, man müsse die Platten nicht jedes Jahr ersetzen. Aber ich mache das so und habe dafür kaum Probleme mit den Bienen.»

 

Einschmelzen unter Strom

Mit einem Stapel Wabenplatten unter dem Arm verlässt Schöb das Gartenhäuschen und geht zur Garage, die er zur Honigzentrale umfunktioniert hat.
Hier liegen Dutzende Holzrahmen mit einem groben Netz aus feinen Drähten. Er legt eine Wachsplatte auf die Drähte und gibt aus einem kleinen Trafo «achli Pfus» auf den Draht. Dieser erhitzt sich dank der Spannung und innert weniger Sekunden schmilzt die Wachsplatte in die Drähte ein.
«Das Timing ist wichtig. Legt man zu lange Spannung an, schmelzen die Platten durch die Drähte - zu kurz und die Platte hält nicht», erklärt Schöb. «Beim nächsten Mal zeige ich ihnen dann, wie ich diese Rahmen in die Bienenkästen einsetze.»

 

Serie «Der Bienenmann»

Unsere Zeitung begleitet Imker Guido Schöb eine ganze Saison lang bei seiner Arbeit mit den Bienen. Von der Präparation der Waben bis zur Honigernte im Sommer. Jeden Monat erscheint ein Artikel über die aktuellen Arbeiten und die Situation der Bienen im Ressort Hinterthurgau. (mte)

 

 

 

 

 

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