Verein Hinterthurgauer Bienenfreunde

 
 

Januar

 

Das bange Warten der Imker

GUNTERSHAUSEN. Im Winter verkriechen sich Honigbienen tief in ihren Wabenboxen und helfen dort der Königin, in der Kälte zu überleben. Ob ihnen das gelingt, zeigt sich den Imkern wie Guido Schöb erst im Frühling.

MARIO TESTA

Im Bienenhaus von Guido Schöb ist es still. Kein Brummen ist zu hören, kein leises Kratzen in den Holzboxen der Bienen. «Die Tiere sind jetzt in der Winterruhe. Sie fahren ihren Stoffwechsel herunter und bewegen sich möglichst wenig, um nicht viel Energie zu verbrauchen», sagt der erfahrene Imker. «Dieser Winter ist jedoch relativ warm, und daher sind die Bienen nicht ganz so ruhig und brauchen auch mehr Futter als sonst.»

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Eigentlich wäre der gesammelte Honig die Winterverpflegung der Tiere. Weil dieser jedoch im Spätsommer aus den Bienenstöcken entfernt und für den Verzehr der Menschen in Gläser abgefüllt wird, brauchen die Bienen anderes Futter, um den Winter zu überleben. «Ich gebe ihnen Zuckerwasser. Das vertragen sie auch besser, weil es nicht so konzentriert ist wie Honig.»

Kälte stört die Bienen nicht

Guido Schöb hätte nichts dagegen, wenn der bisherige Winter kälter ausgefallen wäre. Die Tiere würden auch Temperaturen von mehreren Dutzend Grad unter null in ihren Holzboxen im Bienenhaus überleben, sagt er.

«Kälte macht ihnen nichts aus. Die jüngeren und kleineren Bienen im Stock bewegen sich im Inneren der Traube. Die älteren und grösseren sind in den äusseren Bereichen anzutreffen. Sie rotieren ständig, damit keine erfriert. So sorgen sie für stabile 22 bis 23 Grad im Zentrum der Traube, wo die Königin sitzt.»

Sachte hebt Schöb eine Isolation von einer der Kisten und sagt mit ruhiger Stimme: «Sehen Sie, die schlafen nicht. Diese wenigen Bienen, die Sie hier durch das Loch sehen (siehe Foto), gehören zu den älteren im Stock. Die jüngeren und die Königin sind jetzt nicht zu sehen. Schnell, machen Sie ein Foto, wir dürfen sie nicht zu lange stören.»

Während Schöb die Isolation schnell wieder auf die Kiste legt, zitiert er ein Imker-Sprichwort: «Verliere den Schlüssel zum Bienenhaus im Herbst und finde ihn erst im Frühling wieder.» Dieser Satz drücke aus, dass jede Störung der Bienen im Winter sich auf die Gesundheit der Tiere negativ auswirkt, wie Schöb sagt. «Das kann zum Verlust ganzer Völker führen.»

Viel weniger Bienen im Winter

Im Winter besteht ein Bienenvolk aus etwa 8000 bis 10 000 Tieren, alles sogenannte Winterbienen, die zwischen Juli und Oktober geboren wurden. Die Sommerbienen, welche den Honig sammeln und einlagern, sterben im Verlauf des Herbstes – einzig die Königin überlebt mehrere Jahre. «Jetzt fängt sie gerade wieder damit an, die Eier der Sommerbienen zu legen, diese Aufgabe beschäftigt sie bis in den Juni.»
20 000 bis 80 000 dieser Eier presst die Königin bis zum Sommer in die sechseckigen Waben. Bei den 50 Völkern, die Guido Schöb besitzt, sind das weit über eine Million Bienen, die schlussendlich im Hochsommer für ihn ein- und ausfliegen werden.

«Im Frühling gleiche ich einige Völker manchmal etwas an. Wenn eine Königin nur wenige Eier, eine andere dafür sehr viele gelegt hat, nehme ich die Brut der einen und setzte diese Wabe in die Box eines anderen Volkes. Die Bienen merken nicht, dass das Findelkinder sind.» Dieses Vorgehen sei nicht ganz unumstritten, habe er jedoch von Grossimkern in Kanada, Schweden und den USA so gelernt und Erfolg damit. «Kommen Sie, wir lassen die Bienen jetzt wieder in Ruhe.»

Ein Leben für die Bienen

Zuhause bei sich in Guntershausen parkiert Guido Schöb sein Auto auf der Zufahrt. In der Garage stand es noch nie, diese hat Schöb schon vor Jahren zu seinem Honig-Verarbeitungs-Zentrum umgebaut. Grosse Kannen, Hunderte Wabenrahmen und ein Kühlschrank stehen im aufgeräumten Raum.

In einem Vitrinenschrank in einer Ecke der Garage lagert Guido Schöb die Ernte der letzten Saison. Dutzende Gläser mit zweierlei Honig: dickflüssiger, klarer Tannenhonig und trüber, fester Blütenhonig. «Die letzte Saison war gut – nicht gerade super, aber gut. Mit Streptomycin haben wir Hinterthurgauer Imker glücklicherweise kaum Probleme.

Es gibt nur wenige Bauern, die es einsetzen.» Jetzt im Winter ist Schöb damit beschäftigt, den Honig zu verkaufen und die kaputten Waben wieder in Schuss zu bringen; sie mit frischen Wachsplatten zu versehen. «Winterzeit ist Flick- und Vorbereitungszeit. Aber ich muss ehrlich gestehen, ich fiebere dem Frühling entgegen, wenn ich endlich wieder zu meinen Bienen gehen kann.»

 


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